Schmayton in Iowa
Mein Auslandsjahr an der University of Iowa

Wenn’s doch nur so einfach wäre

Vor einigen Monaten habe ich ja bereits dem Thema „Alkohol in Iowa City“ einige Zeilen gewidmet. An der allgemeinen Situation, dass sich der Downtown-Bereich hier am Wochenende in eine kleine Bourbon Street verwandelt, hat sich in der Zwischenzeit natürlich nichts getan. Doch hat der Stadtrat nun beschlossen, jedem unter 21 Jahren den Zugang zu den Bars zu verweigern – nach 22 Uhr. Während sich Moralwächter und Stadtobere davon einen großen Effekt versprechen, organisieren sich die Studenten derzeit, um die umstrittene „21 Ordinance“ noch zu kippen.

Es steht außer Frage, dass Iowa City ein Alkoholproblem hat. Wer sich Samstag Abend um 23 Uhr in die Ped Mall – die Party-Meile der Stadt – stellt, dem wird von den grotesken Dingen, die um einen herum passieren, ganz schwindlig. Trotz des guten Abschneidens in akademischen Rankings hat die Universität nunmal auch einen Ruf als Party School. Laut Playboy (ja, ich verlinke auch zu dorthin!) belegt die Uni landesweit den 10. Rang in dieser zweifelhaften Kategorie. Und nicht nur aus Iowa City strömen junge Menschen in die Bars. Es herrscht hier so eine Art Party-Tourismus, der am Wochenende Studenten aus ganz Ost-Iowa nach Iowa City zieht. Andere Colleges in Umgebung danken der University of Iowa, dass sie ihnen das Alkoholproblem abnehmen.

Doch ist die „21 Ordinance“ der richtige Schritt? Kann man das Alkoholproblem lösen, indem man alle Unter-21-Jährige einfach vom Party-Leben ausschließt? Der Stadtrat und die Universität, besorgt um den Ruf der Uni, hoffen auf einen „Kulturwandel“ in Iowa City. Die Logik lautet: einfach ein Gesetz beschließen, und binnen weniger Monate herrschen Zustände wie an der Universität von Chicago, der „führenden“ Anti-Party-Uni des Landes. Doch meiner Meinung nach greift die neue Bar-Regelung viel zu kurz. Es war noch nie eine gute Idee, Moral per Gesetz zu verordnen. Ich halte es für äußerst unwahrscheinlich, dass sich Studenten durch dieses Verbot den übermäßigen Genuss von Alkohol verbieten lassen. Das glorreiche Scheitern aller Prohibitions-Versuche in diesem Land bestätigen dies. Mangels spannender Alternativen werden diejenigen, die trinken wollen, einen Weg zum Hochprozentigen finden.

An dieser Stelle lässt sich übrigens eine interessante Parallele zur deutschen Einwanderergeschichte in Iowa ziehen. So wie den Deutschen in Davenport, Iowa, im Laufe des 19. Jahrunderts aufgrund ihrer Vielzahl das Bierbrauen nicht verboten werden konnte, werden sich auch die Studenten in Iowa City durch eine bloße Verordnung nicht vom Alkoholkonsum abbringen lassen.  Ein bloßes Gesetz, von oben aufgedrückt, wird keinen Kulturwandel herbeiführen. Vielmehr sollten die Verantwortlichen den Tatsachen ins Auge sehen: für junge Menschen gibt es in Iowa City zu wenige Alternativen zum Barbesuch. Bestes Beispiel ist die Bowlingbahn hier, die mehrere Meilen außerhalb der Innenstadt liegt, gemütlich in direkter Nachbarschaft zum Flughafen gelegen.

Worüber Stadt und Universität sich lieber den Kopf zerbrechen sollten, ist die Frage, wie man Alternativen zum exzessiven Alkoholkonsum schaffen kann. Wenn man der „21 Ordinance“ keine weiteren Schritte folgen lässt, verlagert man das Problem aus der relativ gut überwachten Barsezene zu den viel gefährlicheren Hauspartys, wo überhaupt keine Kontrolle mehr herrscht. Die Oberen hier sollten sich lieber heute als morgen Gedanken darüber machen. Denn wie es momentan aussieht, wird die Verordnung nur wenige Monate währen: nämlich so lange, bis im November ein Referendum dieser kurzsichtigen Maßnahme ein Ende setzen wird.

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3 Responses to “Wenn’s doch nur so einfach wäre”

  1. schmayton for president!

  2. stimmt auch wieder… na dann wirste governor von jedem staat gleichtzeitig!


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