Schmayton in Iowa
Mein Auslandsjahr an der University of Iowa

Schule aus!

Die meisten Studenten haben Iowa City verlassen. Es ist Summer Break an der University of Iowa. Für mich bedeutet das nicht nur das Ende eines Schuljahres, sondern auch den Abschluss meiner Studienzeit hier. Wie fast alle großartigen Erfahrungen ging auch diese Zeit eindeutig zu schnell vorüber. Ein komisches Gefühl war es, als ich letzte Woche mein letztes Projekt einreichte, denn gleichbedeutend war damit der Hauptteil meines Amerika-Aufenthalts vorüber. Nach acht Monaten Studium mit kurzer Pause im Winter muss ich allerdings sagen, dass ich mich nun auf meine freie Zeit in den letzten sieben Wochen in Iowa City und anderswo freue.

Wenn ich so auf das Uni-Jahr zurückblicke, kann ich sagen: die erste Hälfte war Pflicht, die zweite Hälfte Kür. Während im ersten Semester theoretische Kurse auf dem Plan standen, die mit etwas Glück in Mainz anerkannt werden, konnte ich mich im zweiten Semester auf das eigentliche Ziel meines Auslandsjahres konzentrieren, nämlich an meinen journalistischen Fähigkeiten zu arbeiten.

Ein Job in Iowa City hat mir dabei besonders geholfen. Denn seit Januar habe ich die großartige Gelegenheit, zweimal pro Woche bei Iowa Public Radio – Teil des öffentlichen Rundfunks in Iowa – zu arbeiten. Als Production Assistant leiste ich einen Beitrag zur Gestaltung zweier Talk Shows. Unter anderem ist es meine Aufgabe, kurze Sound-Segmente für die Shows zusammenzuschneiden (so genannte Promos und Billboards), die Sendungen nach Ausstrahlung digital zu bearbeitet und das Endprodukt dann auf den Server zu laden, wo es den Hörern als Podcast zur Verfügung steht.

Das Spannende an meiner Rolle bei Iowa Public Radio ist darüber hinaus, dass das Team mir regelmäßig die Möglichkeit  gibt, eigene Ideen für die Shows einzubringen. So konnte ich bereits wenige Wochen nach meinem Start eine eigene Radio-Sendung über vermisst gemeldete Studenten in Iowa produzieren. Letzte Woche wurde meine zweite Produktion ausgestrahlt: eine Sendung über die Ursprünge der Menschheit mit einem amerikanischen Forscher als Gast, der in Südafrika Skelette eines bisher unbekannten Urmenschen ausgegraben hat (hier ein Bericht der Süddeutschen Zeitung darüber). Für alle, die sich wundern: das Produzieren der Sendung bedeutet nicht, dass man mich  im Radio hört. Allerdings bin ich für die Gestaltung der Show verantwortlich, muss also Gäste organisieren, Hintergrundmaterial zusammenstellen und Fragen für den Moderator entwickeln. Deshalb trotzdem einmal ´reinhören. Den Link zur letzten Show gibt es hier.

Ein weiteres Projekt, dass ich im Laufe des Semesters bearbeitet habe, war die Gestaltung einer Website. Dies beinhaltete sowohl das Design als auch den Inhalt der Seite. Da einer meiner Nachbarn mit großer Begeisterung über deutsche Einwanderer in Iowa forscht, habe ich mir das Immigrationsthema für die Website ausgesucht. Meine Seite handelt von einer Gruppe Immigranten, die nach der gescheiterten Revolution von 1848 nach Davenport – eine Stunde östlich von Iowa City – kamen. Mitglieder dieser Gruppe waren einige äußerst bemerkenswerte Demokraten, die in Deutschland heute leider fast in Vergessenheit geraten sind . Vielleicht kann die Seite daran zumindest ein wenig ändern. Das Endprodukt kann man sich hier anschauen.

In einem anderen Kurs, genannt Localizing Global News, ging es darum, über internationale Ereignisse mit Bezug zu Iowa zu berichten. Die Professorin war lange Zeit für CNN in Asien tätig und hat nach Ausbruch des Afghanistan-Kriegs vom Hindukusch berichtet. Man kann sich denken, dass wir durch diesen Erfahrungsschatz viele wertvolle Tipps zur Berichterstattung über internationale Ereignisse bekamen. Die spannendste Erfahrung in diesem Kurs war sicherlich, zwei kirgisische Gaststudenten wenige Studenten nach Ausbruch der Revolution in deren Heimatland zu interviewen. Der Optimismus, den diese Studenten trotz der unsicheren Lage zu Hause ausstrahlten, war wirklich bewunderswert. Meine Storys sind auf dem Blog des Kurses zu lesen.

Ich hoffe, dass sich dieser Post nicht so anhört, als wolle ich alle Welt davon überzeugen, wie toll meine Projekte doch sind. Ich dachte mir vielmehr, dass die Links einen guten Überblick geben, wie ich die zweite Hälfte meines Aufenthalts verbracht habe. Mein Ziel, praktische journalistische Erfahrung in den USA zu sammeln, konnte ich auf jeden Fall erfüllen.

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One Response to “Schule aus!”

  1. stark,junge!

    kommst du also erst nach der wm wieder nach deutschland?


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