Was andere über Iowa schreiben, Teil II
Auf der Suche nach einer Region in den Vereinigten Staaten, die beispielhaft für die anhaltende Krise am Arbeitsmarkt steht, hat ein deutscher Auslandskorrespondent eine beträchtliche Auswahl. Er könnte nach Detroit reisen, wo die Arbeitslosigkeit bei über 15 Prozent liegt. Oder nach Salinas, Kalifornien (18 Prozent), Rockford, Illinois (19 Prozent) oder Yuma, Arizona (20 Prozent). Alles wunderbar geeignete Orte, um die anhaltende Stagnation der amerikanischen Wirtschaft zu veranschaulichen.
Klaus Scherer, der für die ARD aus den USA berichtet, entschied sich aber dazu, Iowa City zu bereisen. Der Grund dafür mag vermutlich ein Artikel in der New York Times gewesen sein, in dem er über eine Hilfsorganisation in Iowa City las, die finanzschwachen Bürgern dabei hilft, offene Rechnungen zu begleichen – und damit meine ich natürlich auf finanzielle Art und Weise. „Emergeny assistance lottery“ nennt sich das Ganze, und weil das noch nicht schwungvoll genug für eine hippe Sendung wie den ARD-Weltspiegel klingt, wo der Beitrag gestern Abend lief, wurde daraus die „Armenlotterie“ gemacht. Insgesamt war das Ganze dann ein pars pro toto für den Niedergang der Vereinigten Staaten.
Wenn ich mir den Beitrag von Klaus Scherer so ansehe , habe ich doch den Eindruck, dass ein bestimmtes Bild des Mittleren Westens vermittelt werden soll: einst die Musterregion, das Herz des Landes, die sorglose Welt – und nun im Zuge der Wirtschaftkrise geht alles bergab. Dieses Urteil ließe sich möglicherweise über Ohio oder Michigan fällen, zwei klassische Arbeiterstaaten. Zwar hat die Krise auch in Iowa Jobs gekostet, doch Iowa mit allen anderen Mittelwest-Staaten über einen Kamm zu scheren, verfälscht die Tatsachen. Obwohl das im Beitrag präsentierte Beispiel aus dem Kontext gezogen natürlich schlimm klingt, ist die suggerierte Massenarbeitslosigkeit hier noch nicht eingetreten. Im März 2010 lag die Quote bei 6,8 Prozent.
Ich hätte an dem Bericht vermutlich gar keinen Anstoß genommen, wenn der Autor die Fakten richtig präsentiert hätte. Im zweiten Satz hörte ich allerdings folgendes: „Die Arbeitslosenrate liegt bei 18 Prozent, was nicht untypisch ist nach der Krise.“ Nein – das ist gewiss nicht untypisch. Nur liegt die Arbeitslosenrate in Iowa City bei fünf Prozent, die drittniedrigste Zahl im gesamten Land. Die Universitätsstadt Iowa City blieb von den schlimmsten Auswirkungen der Krise verschont. Auf den Punkt gebracht also: ein schlechtes Beispiel, das die ARD für diesen Bericht gewählt hat.
All diejenigen, die sich durch den Beitrag Sorgen gemacht haben, ob ich hier überhaupt noch ein Dach über dem Kopf habe oder schon bei der Armenlotterie Schlange stehe, seien beruhigt. Die Welt ist immer noch in Ordnung in Iowa, auch wenn Klaus Scherer das vielleicht anders sieht.
alter schweppes!
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ich hab diese woche schon einen grandiosen artikel in 11 freunde gelesen
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,687136,00.html
und muss sagen,auch wenn der vergleich natürlich schwerfällt, dass 11 freunde und du sich den 1. platz meines kürzlich,weil gerade eben erst eingeführten “leserpokals der woche” teilen(und du weißt,was ich von 11 freunde halte) – kurzum: MEHR DAVON
Philipp - April 29, 2010 at 9:33 pm |
Hehe..vielen Dank! Den 11-Freunde-Artikel hab ich auch mit Hochgenuss gelesen.
Und mir natürlich gleich die Lorant-Rede angeschaut.
schmayton - April 30, 2010 at 12:30 am |