Eine Woche im “Land des Entzückens”
ALBUQUERQUE, NEW MEXICO – Nach einigen Wochen Funkstille, bedingt durch eine hektische Uni-Phase und einen Spring-Break-Trip, melde ich mich heute aus dem Südwesten der USA zurück, wo ich eine tolle Spring-Break-Woche mit meinem Studien-Kumpel Jim verbracht habe. Vor meiner Abreise in Richtung New Mexico hatte ich keine besonders genau Vorstellung von diesem Staat. Viel Wüste und wenig los, dachte ich mir. Da sich der Urlaub nun dem Ende nähert, muss ich diese Vorstellung so ziemlich komplett revidieren. New Mexico hat definitiv eine Menge mehr zu bieten als nur Wüste.
Eigentlich sollte ich die Bilder, die ich während der Woche geschossen habe, für sich sprechen lassen. Denn die gewaltige Landschaft New Mexicos kann man wohl nur so richtig vermitteln. Da ich meine Bilder aber noch nicht am Rechner habe, müssen meine Beschreibungen fürs Erste genügen.
Eine besondere Eigenschaft von New Mexico ist die Höhe. Der nördliche Part des Bundesstaats, in dem wir uns die meiste Zeit aufgehalten haben, liegt durchweg über 2000 Meter. Während die Täler in den Wintermonaten meist schneefrei sind, kann sich in den Bergen, die bis auf 4000 Meter anwachsen, jede Menge Schnee ansammeln. Das sollten wir schon am zweiten Urlaubstag am eigenen Leib erfahren, als wir während eines Schneesturms die kurvige Bergstraße nach Los Alamos, wo Jims Bruder arbeitet und wir unterkamen, überwinden mussten. Noch höher in die Berge ging es bei einer Wandertour mit Schneeschuhen. In den Bergen rund um Santa Fe musste ich feststellen, dass einem auf über 3000 Metern die Puste ein wenig schneller ausgeht.
Aber zurück zu Los Alamos, unserer Stadt in den Bergen. Die Kleinstadt ist die wohlhabendste Gemeinde des Staats und noch immer Zentrum der amerikanischen Nukleartechnologie. Straßennamen wie Oppenheimer Drive lassen auf die bewegte Zeit während des zweiten Weltkriegs zurückschließen, als in der kleinen Bergstadt die amerikanische Atombombe entwickelt wurde. Heute ist alles etwas ruhiger, aber dennoch ist Los Alamos mit seinen Wachtürmen und eingezäunten Bereichen keine Stadt wie jede andere.
Im Tal vor Los Alamos liegt mit Santa Fe einer der magischen Orte des Westens. Die 400 Jahre alte Stadt, gegründet von spanischen conquistadores, ist berühmt für ihren Santa Fe Style. Fast alle Häuser im Zentrum sind im so genannten Adobe-Stil gebaut, bestehen also größtenteils aus Schlamm und Stroh. Das Resultat sind wunderbar ausschauende rot-braune Häuser, die mit ihren geschwungenen Formen eine einzigartige Kulisse bieten.
Während unseres Aufenthalts in Santa Fe sind uns zudem eine Menge „firsts“ begegnet. So kann ich mit großem Stolz berichten, dass ich das älteste Haus der USA gesehen sowie die älteste Kirche und das älteste öffentliche Gebäude des Landes betreten habe. Auch kulturell ist Santa Fe etwas Besonderes. Die Innenstadt besteht zu einem Großteil aus Museen und Gallerien, wodurch Santa Fe das angenehme Flair einer echten Künstlerstadt hat. Die Gemälde, die es an jeder Ecke zu kaufen gab, lagen preislich allerdings jenseits meiner Möglichkeiten. Ein gelbes New Mexico Blechschild musste daher als Souvenir genügen.
Während Santa Fe sein historisches Gesicht immer noch sehr offen zeigt, ist Albuquerque, mit mehr als 500 000 Einwohnern die einzige echte Großstadt New Mexicos, deutlich moderner – und architektonisch in gewisser Weise amerkanischer. Obwohl es auch hier noch einige Rückstände der spanischen Kolonialzeit zu sehen gibt, ist die Stadt doch weit mehr vom Kult um die legendäre Route 66 geprägt. Die große amerikanische Straße führte auf dem Weg von Chicago nach Los Angeles durch Albuquerque. Cafés im 50iger-Stil und bunte Neonfarben an allen Ecken lassen das den Besucher immer noch wissen.
Insgesamt hat es sich absolut gelohnt, den Spring Break nicht saufend an den Stränden von Miami oder Cancun zu verbringen, sondern eine Reise in eine Gegend zu unternehmen, von der ich bis dato wenig wusste. Die malerische Berglandschaft, die spannende Geschichte des Staates und die lebendige Kulturszene wären jeweils für sich schon eine Reise wert gewesen. Aber umso besser, dass man hier all dies zusammen vorfindet. Mit ruhigem Gewissen kann ich also mit meinem gewohnten Reise-Fazit enden kann: Unbedingt einmal selbst erkunden!
mensch,stark!
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haste beirut gesehen
Philipp - April 2, 2010 at 3:00 pm |