Ich hätte da mal eine Frage…
Ich werde ja häufiger ‘mal gefragt, worin denn die kulturellen Unterschiede zwischen Amerikanern und Deutschen lägen. Die Frage erscheint leicht zu beantworten, da Amerikaner ja allesamt dick, ungebildet, ultra-christlich und in ihre Waffen verliebt sind – und sind die Deutschen nicht das genaue Gegenteil? Wer auf Nuancen wenig Wert legt, kann die Diskussion an dieser Stelle beenden. Da ich aber von solchen scharfen Trennungen nicht sehr viel halte, tue ich mich mit Pauschalurteilen dieser Art häufig schwer. Heute morgen ist mir während eines Gesprächs nach Deutschland aber ein Aspekt der zwischenmenschlichen Beziehungen aufgefallen, der die manchmal doch vorhandenen Unterschiede ziemlich deutlich machte. Hier also meine Anekdote:
Durch mein Studium an der Journalism School in Iowa muss ich so gut wie jede Woche Interviews mit Amerikanern führern. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die einem fast alle Gesprächspartner dabei entgegenbringen, ist manchmal wirklich erstaunlich. Meistens habe ich den Eindruck, dass die Leute sogar Spaß daran haben, von ihrem Beruf oder Hobby zu berichten. Und selbst wenn ich das Gefühl habe, vielbeschäftigte Menschen mit meinen Fragen zu nerven, lassen sie mich das so gut wie nie wissen. Stattdessen schieben sie auf meine wiederholten Anfragen ein „Thanks for your patience“ nach, als ob ich etwas von ihnen wollte und nicht umgekehrt. Selbst wenn die Begeisterung über meine Fragen nicht in allen Fällen aus tiefem Herzen kommt, sorgt diese freundliche Einstellung gegenüber Fremden doch für eine angenehme Gesprächsathmosphäre.
In Deutschland neigen die Gesprächspartner eher dazu, den Fragesteller an der anderen Leitung wissen zu lassen, dass man stört. So wie heute erlebt. Als ich für einen Artikel zum Thema Windenergie in Iowa (sehr fortgeschritten für US-Verhältnisse) recherchierte, fand ich heraus, dass der Staat Iowa in Frankfurt eine eigene Vertretung unterhält, die Firmen in den Mittleren Westen locken soll. Das könnte ja ein interessantes Interview geben, dachte ich mir, und rief – offensichtlich kurz vor Feierabend – in Frankfurt an. Meine Bitte um ein Interview löste am Main Widerwillen aus und so schallte mir ein entzückendes „Jeeeeetzt??“ entgegen. Das unmissverständliche Zeichen, dass ein Interview mit einem Studenten aus den USA gerade so ziemlich das Letzte war, worauf die Dame Lust hatte.
Neben des Timings meines Anrufs wurden auch schnell meine journalistischen Fähigkeiten kritisch beäugt. Als ich der Dame mitteilte, dass ich soeben zum ersten Mal von der Iowa-Vertretung in Frankfurt gehört hatte, blieb das von mir erhoffte „Das geht vielen so…aber schön, dass sie uns nun gefunden haben“ aus. Stattdessen wurde mal salopp meine Qualifikation als würdiger Gesprächpartner in Frage gestellt. „Na da haben sie aber schlecht recherchiert!“ lautete die schonungslose Antwort auf meine Entdeckung. Das war direkt – und wäre einem Amerikaner niemals in den Sinn gekommen.
Was ist nun also der pauschale Unterschied zwischen den USA und Deutschland, der sich mir hier gezeigt hat? Auf die Gefahr hin, mich auf der Basis harmloser Beobachtungen zu weit aus dem Fenster zu lehnen, kann ich sagen: Möglicherweise wegen der unterschiedlichen Traditionen im Hinblick auf Obrigkeiten sehen es Amerikaner als ihre Pflicht an, ihren Mitbürgern bei Fragen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, während ich das Gefühl habe, in ähnlichen Situationen in Deutschland doch von oben herab behandelt zu werden. Selbst wenn die Menschen dabei manchmal unerhlich klingen: die erste Variante ist mir lieber. Allein schon aus journalistischen Gesichtspunkten.
ach,diese frankfurter…soll ich bei der vertretung mal vorbeischauen
?!
Philipp - February 23, 2010 at 11:03 am |
wie war´s denn eigentlich in new mexiko,kerle?
Philipp - February 23, 2010 at 11:18 am |
Warte noch drei Wochen, dann gibt’s hoffentlich eine Antwort darauf!
schmayton - February 24, 2010 at 1:13 pm |
ouh,stark!!!
Philipp - February 24, 2010 at 2:03 pm
hahaha.
Tim - February 23, 2010 at 11:10 pm |